4 Destillatiere - der Destillations-Podcast
Erfahrungen, Spannendes, Lehrreiches und Lustiges aus der Welt der privaten Destillation.
- Was darf man destillieren?
- Was will man destillieren?
- Was kann man destillieren?
- Warum macht man das?
- Was darf man nicht ;-)
Woche für Woche sprechen wir über unsere Erfahrungen. Lockeres Wissen für Neueinsteiger und Profis.
Du hast Fragen zum Destillieren? Wir beantworten Sie im Podcast! Schreib uns via Facebook oder per E-Mail an vier@destillatiere.de
Die 4 Destillatiere sind:Anja Ahl: Kräuter-Destillatier - Heilpraktikerin und Dozentin für Aromatherapie und -pflege. Anja ist die Fachfrau für Kräuterkunde und Kräuterküche.
E-Mail: anja@destillatiere.de
Marc Weiland: Hobby-Destillatier - Inhaber von Weilands Destillierstube in Ostfriesland. Marc kennt alle Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle aus seiner täglichen Praxis.
E-Mail: marc@destillatiere.de
Christian Krainz: Experimentier-Destillatier - Betreiber des Youtube-Kanals PerfectLiving. In der Serie "diSTILLed" dreht sich alles um die Destillation. Durch seinen Wohnsitz in Österreich darf er auch mit Alkohol destillieren.
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Kai Möller: Show-Destillatier - Buchautor und Inhaber von Destillatio.com aus der Rhön. Kai ist schon sehr lange im Destillationsfieber und berichtet gerne aus seinen Erfahrungen.
E-Mail: kai@destillatiere.de
4 Destillatiere - der Destillations-Podcast
4D 067: Wacholder und mehr
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Die 4 Destillatiere | Episode 67
Diesmal dreht sich alles um den Wacholder. Von Gin über Hydrolate in der Küche bis hin zu gesundheitsfördernden Maßnahmen ist alles dabei.
Und nebenbei gibt es wie üblich lustige und unterhaltsame Geschichten zu unseren eigenen Erfahrungen mit dieser Pflanze.
- Was haben wir im Glas?
- Das stärkste Bier der Welt?
- Selbstgebrannter Gin
- Pflanze der Woche: Wacholder
- Alkoholfreier Gin Tonic
- Wiegemesser vs Smothiemaker vs Malzschrotmühle
- Von Beeren und Nadeln
- Inhaltsstoffe & Anwendungen
- Pfeffer
- Ungewohnte Wege
- Nur nichts giftiges mit rein tun
- Frühlingswiese
- Ist es reproduzierbar?
- Dill ins Gesicht
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Vielen Dank fürs Zuhören,
Eure Destillatiere Anja, Marc, Christian und Kai
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Willkommen zu unserem Podcast mit Anja Marc, Christian und Kai.
SPEAKER_03Die vier Destillatiere. Viel Spaß dabei. Hallo und herzlich willkommen bei den Vier Destillatieren, unserem Podcast Rund ums Destillieren. Heute zum großen Überthema Wacholder und allem, was wir damit anstellen können. Auch heute wieder mit dabei, Anja, Marc und Kai. Hallo zusammen.
SPEAKER_00Ja, hallo.
SPEAKER_03Hallo.
SPEAKER_01Hallo aus Friesland.
SPEAKER_03Wir starten mit unserem Blick ins Glas und ich würde heute Marc bitten, den Anfang zu machen. Was hast du vorbereitet?
Was haben wir im Glas?
SPEAKER_01Okay, was habe ich vorbereitet? Dieses Mal waren die technischen Probleme ja nicht bei mir, deswegen konnte ich mich auch nochmal um ein Getränk kümmern. Aber liebe deutsche Biertrinkergemeinde, ihr müsst jetzt wirklich stark sein und ich würde mich freuen, wenn ihr mich nicht verbannt. Also ich fange mal an mit dem ersten Skandal. Ich habe mir ein kleines, alkoholfreies Jefer eingeschenkt. Das war aber noch nicht alles. Ich lese ja gerne viele Bücher und habe irgendwo das Wort Kräuterbier gelesen. Und Kräuterbier ist ja auch bekannt, dass das früher viel als Heilmittel genutzt wurde. Und deswegen habe ich heute mal gedacht, diese schöne, kühle Jeva pushe ich mal ab, passend zur Folge, mit einem Schuss Wacholderhydrolat und einem Schuss Korianderhydrolat. Und ich muss sagen, dieser Geruch von dem Hydrolat, der ist so massiv intensiv dann aus dem Glas. Also der Hopfen riecht ja sowieso oder ein Bier riecht ja sowieso stark, aber mit dieser wirklich nur eine Minimenge von dem Hydrolat, dann in dem Glas erstmal der super intensive Geruch. Und dann diese Geschmackskombi. Es passt einfach, weil der Koriander ja so ein bisschen zitronig bringt, der Wacholder, der fast in der Herbe vom Bier nochmal untergeht. Also ich war heute mal experimentierfreudig und ich muss sagen, ich finde es einfach coole Sache, dass man das so machen kann. Alles selbe des Zeichen. Ja, und einfach mal aromatisiert und deswegen heute ein längerer Ausflug bei meinem Getränk. Prost.
SPEAKER_03Prost. Also, Marc, du als Vertreter der Biernation Deutschland hast ein alkoholfreies Bier genommen, es mit aromatisiertem Wasser verdünnt.
SPEAKER_01Ja.
SPEAKER_03Und das öffentlich bekannt gegeben.
SPEAKER_01Genau, das Reinheitsgebot steht an meiner Tür mit einem großen Knüppel.
SPEAKER_03Kai, möchtest du die Ehre der deutschen
Das stärkste Bier der Welt?
SPEAKER_03Biertrinker retten?
SPEAKER_04Ja, das kann ich tatsächlich heute machen, weil, also erstmal abgesehen vom Reinheitsgebot, wir haben ja eine Belgien-Tour hinter uns, ist ja auch schon eine Weile her. Aber wir haben jetzt, ich bin ja in Franken und dann habe ich gedacht, da kann ich ja noch ein bisschen weiter nach Bayern fahren, weil ich bin zum Schorschbreu gefahren, der hat das stärkste Bier Deutschlands, sagt man so. Da kann man aber nicht vorbei und dem besuchen, weil das, also der macht Biere bis zu 40, 50 Prozent und wir haben uns zwei, 20 Prozent Biere geleistet, weil die anderen dann doch so teuer werden, dass wir da keine Lust drauf hatten. Wir probieren uns da mal ran. Aber das habe ich heute nicht. Uns hat es trotzdem wahnsinnig Spaß gemacht, in Bayern da mal in den Supermarkt zu gucken, weil das ist nochmal eine ganz andere Auswahl. Ich habe jetzt eine Bamberger-Spezialität, was gar nicht so weit weg ist, aber das habe ich hier noch nicht gesehen im Laden. Und zwar ist es das Bamberger Rauchbier. Das ist sehr speziell. Und was ich toll finde, ist, dass es genauso ist, wie es hinten auf der Flasche steht, wenn ich das mal vorlesen soll hier. Die weilen aber das Gebräu beim ersten Trunk etwas fremd schmecken könnte. Lass dir es nicht verdrießen, denn bald wirst du innehaben, dass dein Durst nicht nachlässt, schinte Malen dein Wohlbehagen sämtlich zunimmt. Und so ist das, wenn man das trinkt, das schmeckt erstmal gar nicht. Aber nach dem zweiten, dritten Schmuck wird es lecker und nach dem fünften oder zehnten Schluck macht es dann Spaß.
SPEAKER_03Ist das vergleichbar mit dem Schlenker, oder? Ja, das ist das schon. Ah, das ist das, okay. Ich wollte den Namen nicht nennen, aber du hast mir es jetzt abgenommen. Okay, ja, das hatte ich auch schon einmal im Test und irgendwie assoziiert mit geräuchertem Fisch.
SPEAKER_04Also ja, es schmeckt sehr stark geräuchert am Anfang und steht ja drauf, dass es erstmal nicht schmeckt. Aber ich bin schon beeindruckt, weil es dann halt beim zweiten Schluck oder also beim dritten, sage ich mal, doch tatsächlich sehr lecker wird sogar. Und was ich auch dazu noch sagen wollte, warum ich das auch trinke, ich habe gerade gelesen, dass die Raucharomen in Deutschland oder in der EU verboten werden. Das heißt, künstliche Raucharomen, die man ja überall in Käse und Wurst und was weiß ich wo noch drinnen hat, die wird es dann irgendwann in ein paar Jahren nicht mehr geben. Und das Rauchbier, das ist halt echt Geräuschert,
Selbstgebrannter Gin?
SPEAKER_04das darf bleiben.
SPEAKER_03Ja, auch ganz spannend. Und ich habe passend zur heutigen Folge einen kleinen Schluck Gin vorbereitet, den ich vor etwas längerer oder viel längerer Zeit einmal selbst gebrannt habe. Sehr wacholder-lastig, wahrscheinlich zu viel Wacholder, sogar schon für Gin-Kenner, werden diese Varianten wahrscheinlich jetzt nicht allzu toll und ausgewogen schmecken. Aber ich dachte mir, der passt einfach gut zur heutigen Folge und deswegen werde ich einen kleinen Schluck davon verkosten. Und zum Neutralisieren und hinunterspülen habe ich mir auch ein kleines Bockbier noch bereitgestellt. Anja, was hast du heute im Glas?
Alkoholfreier Gin Tonic
SPEAKER_00Also ich habe heute die alkoholfreie Variante von Gin Tonic. Und zwar hat Weg Aroma für den Sommer so vorgeschlagen mit ätherischen Ölen, das so nachzubauen und das ist ganz einfach, diesmal tatsächlich ohne Zucker auch. Ein paar Eiswürfel rein ins Glas, dann kommt da ein Tropfen Wacholder, ein Tropfen Zitronenöl, Zitronenscheiben, so für die Säure dann, und Sprudelwasser einfach drauf.
SPEAKER_01Ein Tropfen Wacholderöl.
SPEAKER_00Ja, ich habe jetzt einen halben Liter
Wacholder!
SPEAKER_00draus gemixt, damit das dann nicht ganz so stark. Weil ich finde es auch sehr kräftig sonst. Ich habe es erstmal mit einem halben, also Viertel versucht, aber ich finde Wacholder schon auch wirklich sehr, sehr geschmacksintensiv. Und dann habe ich es auf einen halben Liter und dann geht das. Und ich finde ja auch, wenn man Zitronensaft, also von der Zitronenscheibe halt oder Zitronensaft mit drin ist, dass das auch so ein bisschen die ätherischen Öle von der Geschmacksintensität drosselt.
SPEAKER_01Ja, auf jeden Fall.
SPEAKER_00Ja, also es wird nicht mein Lieblingssommertrink. Oder Herbst oder Winter.
SPEAKER_03Wacholder ist sehr intensiv und wahrscheinlich ähnlich wie Rauchbier, sehr gewöhnungsbedürftig, wenn man ihn überdosiert. Und ohne Alkohol. Gut, mit dem Alkoholfreien habe ich eigentlich kein Problem. Ich habe Wacholder sowohl Hydrolat als auch ätherisches Öl sehr gerne auch in der Küche in Verwendung. Bei allem, wo man ansonsten die zerstoßenen Wacholder-Bären mit hineintut, zum Beispiel Brattensaft, Gulasch, eventuell auch Suppen- und Pilzgerichte. Da eignen sich sowohl das Hydrolat als auch das ätherische Öl ganz hervorragend. Ich verarbeite hier lieber das Hydrolat, weil es einfacher in der Anwendung ist. Beim ätherischen Öl muss man immer verdammt vorsichtig sein, dass man es nicht überdosiert. Und deswegen eben Hydrolat hierfür sehr gut geeignet. Bringt uns auch gleich zum Thema, dass wir Wacholder gut destillieren können. Und da würde ich gerne eure Erfahrungen dazu hören.
SPEAKER_00Das bringt viel.
SPEAKER_01Ja, ich habe aktuell auch Wacholder, ich glaube, es ist 14 Tage, drei Wochen her destilliert. Und ich fange ja mal hoch motiviert mit einem Mörser an, um die Wacholderwehren erstmal ein bisschen aufzudrücken. Und in meiner hohen Motivation, die nach kurzer Zeit endet, kippe ich das dann in das Gerät, was mit Terror und Mix anfing. Und habe das dann ein bisschen kleiner gemacht. Das war dann leichter. Deswegen war sehr klebrig. Und dann habe ich es destilliert. Ich hatte allerdings nicht ganz so viel Ölausbeute. Vielleicht lag es an der zu langen Hexelei, weil als ich den Topf aufgemacht habe, kam eine große Wolke raus. Das war wahrscheinlich die Hälfte vor meinem ätherischen Öl, was ich gerade zerstört hatte. Naja, nächstes Mal bin ich schlauer. Ich wollte aber auf jeden Fall sagen, ich habe dann von den Ölabscheider gemacht, habe, glaube ich, zwei Durchläufe gemacht, habe dann ein bisschen ätherisches Öl aber noch gewonnen. Ich würde mal so sagen, anderthalb bis zwei Milliliter. Und habe dann aus dem Ölabscheider, wo ich dachte, alles Öl ab, ein Tropfen von dem Hydrolat dann in ein Glas getan. Und meiner Frau, die den Wacholder über alles liebt, mit ein bisschen Sprudelwasser gemischt, die gerade im Tunnel die Pfefferminze wieder zurückgeschnitten hat. Und da war noch ein Tropfenöl drin und das war dann sehr stark und schmeckt dann sehr seifig. Aber wir haben es dann noch weiter verdünnt, so wie du das auch gerade sagst, Anja, einfach dann aus einem Glas zwei große Gläser machen, geht das dann schnell.
SPEAKER_00Ja, und eben die Zitrone noch ein bisschen mit rein oder Gurke und sowas. Das bricht es echt. Ich habe jetzt Zitrone.
SPEAKER_04Jo, ich habe Wacholda schon relativ oft destilliert, vor allem wenn ich unterwegs bin, weil man Wacholda eigentlich überall in Europa findet. Und ich finde es auch immer interessant, wie unterschiedlich der ausgeprägt ist, weil der halt in Schweden ganz klein ist. Das sind winzig kleine Beeren, während man in Spanien richtig sieht, dass es eigentlich Zapfen sind, da sind die viel, viel größer. Und ich habe die in allen Ländern immer wieder mal irgendwo gesammelt und mit mäßigem Erfolg destilliert. Es war halt meistens dann nur eine Erinnerung mit ein bisschen älterischem Öl, was aber unterwegs an meinen beschränkten Mitteln liegt und auch wahrscheinlich daran, dass es halt einfach nicht die richtigen Wacholderbeeren sind. Es gibt da ziemlich viele verschiedene Sorten, glaube ich. Und wenn ich bei mir zu Hause destilliere und alles richtig mache, dann kriege ich da wahnsinnig überraschend tolle Ergebnisse. Und das heißt aber, dass ich einen gekauften Wacholder dann genommen habe. Und dann kann ich den mit so einem Smoothie-Maker, der hat unten so ein Rad drin, damit kann ich den halt kleinschreddern. Und wenn ich das dann destilliere, dann bekomme ich da eine riesige Menge etherisches
Malzschrotmühle vs Smoothiemaker vs Wiegemesser
SPEAKER_04Öl raus. Also eigentlich mehr als mit allem anderen besetzt.
SPEAKER_01Das heißt, in diesem Smoothie Maker machst du das händisch oder elektrisch?
SPEAKER_04Der ist elektrisch, also das ist so ein Gerät, wo man normal so alles Mögliche so an Gemüse und Obst reintut und miteinander vermischt. Der hat unten so ein Mixerrad. Ich will den auch nicht empfehlen, weil der ist mittlerweile kaputt. Aber das, was er da hätte machen sollen mit dem Wacholder, das hat er halt zwei, drei Jahre lang ganz gut mitgemacht, neben den Smoothies, die er auch manchmal machen sollte.
SPEAKER_03Also ich habe meine Wacholderbeeren mit einer Schrotmühle für Malz bearbeitet bei der letzten Destillation. Und das funktioniert ganz hervorragend. Die Ölmenge war unglaublich hoch, hätte ich eigentlich nicht damit gerechnet. Der einzige Nachteil an der Sache ist dann die nachträgliche Reinigung eben dieser Schrotmühle, weil Wacholderbeeren verkleben einfach alles. Die setzen sich in jeder Rille fest. Und da war dann doch einiges an mechanischer Einwirkung auch nötig, um die Mühle wieder halbwegs sauber zu bekommen. Wenn man danach einen Smoothie macht, dann ist es wieder sauber. Kann ich grundsätzlich nur empfehlen, diese Vorgehensweise, weil wie gesagt, die Ölausbeute war bei weitem höher als mit jeder anderen Zerkleinerungsmethode, die ich bisher ausprobiert hatte.
SPEAKER_04Also bei dem, was wir unterwegs gemacht haben, dann habe ich versucht, mit so einem großen Wiegemesser, Hackmesser, da den halt klein zu schneiden. Und da kommt man nicht mehr in die Nähe von dem, was man eigentlich da machen sollte, um wirklich großen Ertrag zu bekommen. Also wenn man so eine Beere dann, also wenn man so einen Haufen Beeren vor sich liegen hat und dann jede Beere vielleicht zweimal erwischt hat mit dem Messer, die rollen ja auch weg. Das gibt eine Riesensauerei, das ist wahnsinnig schwierig, das manuell so klein zu verarbeiten. Und deswegen wusste ich nicht, was es da noch für Techniken gibt. Also das, was hast du gesagt, eine Mais? Eine Malzschrotmühle.
SPEAKER_03Malzschrotmühle. Malz, nicht Mais. Das Maus. Zutat für Brauereien.
SPEAKER_01Also das wollte ich sagen, so eine Schrotmühle ist bestimmt das Gute, aber ich habe mich gerade schon gefragt in Sachen Reinigung. Also der Gerät, den ich benutze, der Gerät macht sich selber sauber, das war ein großer Vorteil, weil es ist definitiv ein unfassbar klebriges Zeug. Und ich habe die besten Ergebnisse halt nicht mit dem Gerät gemacht, sondern halt, wenn ich es im Mörser ein bisschen, so dass die Beeren halt ein bisschen aufplatzen, aber schon kräftig zermörseert. Aber es, die sind ja nicht, also es geht ja nicht leicht kaputt, das Zeug, das muss man ja ganz klar sagen. Das ist schon Arbeit und vor allem in eine Kolonnenbrennerei, da passt auch schon eine Menge rein. Das ist so.
SPEAKER_04Ja, also ich habe auch so normal so einen Pürierstab halt, wo man dann verschiedene Aufsätze dazu hat. Das funktioniert in der Küche ganz gut, wenn man damit mal irgendwas pürieren muss. Aber bei den Wacholderbeeren ist das einfach nicht genug, weil es dieses Schneidemesser da unten dann schneiden soll.
SPEAKER_00Ja, weil das klebrig wird. Wir haben es auch damit gemacht und nachher auch mit dem Mörser zerdrückt, damit da so ein bisschen was rauskommt. Und eben dieses Mix-Ding da aus der Küche.
SPEAKER_03Was ich da jetzt heraushöre, ist, dass wir alle eigentlich die Beeren verarbeitet haben. Könnte man die grünen Pflanzenbestandteile auch destillieren?
SPEAKER_00Die Nadeln kann man auch benutzen. Es gibt ja Wacholder Bärenöl und es gibt auch Wacholder-Nadelöl. Und
Beeren oder Nadeln?
SPEAKER_00von daher, ja, man kann beides benutzen.
SPEAKER_03Wie sieht es da dann mit der Ölausbeute aus? Die werden wahrscheinlich einen viel geringeren Gehalt dann aufweisen.
SPEAKER_00Ja, also die Nadeln haben viel weniger ätherisches Öl dann. Und die Beeren, das ist wirklich schon das, was mehr rausbringt und auch einen besseren Geschmack hat, muss man mal sagen. Und das Wachholder-Nadelöl wird in Saunergeschichten und auch zur Einreibung vielleicht benutzt, aber das ist nicht das, was man so wahnsinnig viel benutzt.
SPEAKER_03Wie ist das beim Wachholder bei den grünen Pflanzenbestandteilen? Die erinnern mich immer wieder an Tujen. Ist da auch Tuyon enthalten?
SPEAKER_00Ist auch ein bisschen Tuonen enthalten, ja. Und es ist halt ein Zypressengewächs, sondern es ist eine Familie und von daher haben die schon auch ähnliche Inhalte. Aber was eben viel drin sind, das ist alle von Beta-Pinäen,
Inhaltsstoffe und Anwendung
SPEAKER_00das sind ja wieder die Monoterpene, die dann halt dafür sorgen, dass alles so antibakteriell ist, dass es so entspannt wirkt, dass die Muskulatur, die glatte Muskulatur, wieder haben wir die Bronchien, wieder haben wir den Darm und die Blase so, dass das einfach mit in die Entspannung kommt. Hier ist das eben der entwässerne oder aquaretische Effekt. Und dafür wurde Wacholder schon immer benutzt. Früher, die Beeren wurden gegeben zum Entwässern und ohne, dass die Nieren angegriffen werden, so kann man das eben auch jemanden, der eine Nierenstörung hat, als Tee mitgeben. Und mein Onkel hat das dann so gemacht, der hat immer eine Wacholderbeere, die nächsten zwei, bis er bei 21 angekommen ist und dann ist er wieder runter bis zu einer gegangen. Das hat er so als Kur gemacht. Und letztes Jahr waren wir in Südtirol und da hat die auch vorgeschlagen, dass man so die Wacholderbeere eigentlich isst, um einfach wirklich eine gute Durchspülung zu haben, dass man schön tief durchatmen kann, dass das Blutdruck ausgleichend ist, dass es antiviral ist, so diese ganzen entzündlichen Situationen sich verbessern damit und zur Wundheilung hat man es benutzt. Also da ist von der Pflanze an sich auch ganz viel drin.
SPEAKER_03Finde ich jetzt interessant, die Geschichte mit der Wacholder-Biere, die man isst. Ich kenne ein ähnliches Ritual, nenne ich es mal, aus dem asiatischen Raum mit Pfefferkörnern. Ein bis zwei Pfefferkörner pro Tag zerkauen, soll auch gesundheitsfördernd sein und eben auch genau diese Wirkungen erzielen, die du jetzt vom Wacholder beschrieben hast. Gibt es da zwischen den Pflanzen vielleicht Ähnlichkeiten
Pfeffer
SPEAKER_03oder wie kann man sich das erklären?
SPEAKER_00Das ist eine gute Frage. Vielleicht für den, na, wo Pfeffer hat Schärfe. Ich habe Pfeffer noch nie als entwässernd erlebt. Eigentlich ist es ja leber treibend, so dass es eigentlich die Hitze anregt. Wüsste ich jetzt in der Form. Und von daher ist es ja mit dem Pfeffer auch in manchen Regionen dann nicht so. Und wenn man sehr viel Pfeffer nehmen würde und das Holz sozusagen durcheinander bringt, dann ist eben das Wasser auch am Austrocknen.
SPEAKER_03Unterschiedliche Kulturen, unterschiedliche Kügelchen, die man so zerkaut.
SPEAKER_00Das stimmt, aber es sind ja häufig Sachen, die sich dann auch wiederholen, wo man dann sagen kann, ja, hier ist was dran und hier haben wir noch was und in der Kombination, aber nö, könnte ich mir jetzt nicht mehr so gut sagen.
SPEAKER_04Das ist ja auch eine andere Pfeffersorte.
SPEAKER_00Weiß ich nicht, ich weiß es wirklich nicht.
SPEAKER_04Man sagt ja manchmal Pfeffer zu irgendwas, was eigentlich gar kein Pfeffer ist, so dieser rote Pfeffer. Der hat ja in den Gewürzmüllen immer drin, ist ja eigentlich eine Beere oder so. Der hat ja gar nichts damit zu tun. Aber sieht schön aus.
SPEAKER_00Schmeckt ja auch ein bisschen zitronig. Der hat ja auch eine leicht scharfe Note, ne? Aber eigentlich ist er säuerlich auch. Also er hat schon was.
SPEAKER_03Ich finde es immer interessant, solche Parallelen zu sehen aus unterschiedlichen Kulturgisen. Und dass es dann doch ähnlich gehandhabt wird mit ähnlichem Hintergrund, eben Gesundheitsförderung und trotzdem aber unterschiedliche Wirkungen aufweist.
SPEAKER_04In Indien werden Anis Samen zerkaut. Anis und Fenchel nimmt man auch so nach dem Essen so als verdauungsförderndes Mittel, glaube ich. Dass man da so eine Handvoll Anis hat, die dann ganz oft auch noch gezuckert sind und schön aussenden.
SPEAKER_00Und da ist aber auch Kardamom mit drin.
SPEAKER_04Ja, das kann sein. Ich habe das nur gesehen, dass das dann nach einem opulenten indischen Mal halt einem so mit auf den Tisch gestellt wird und man das danach nimmt und nochmal so, um den Mund irgendwie mit nochmal so mehr Gewürzgeschmack irgendwie zu füllen. Und es soll verdauungsfördernd sein.
SPEAKER_00Genau, es gab gab es hier früher auch in jedem indischen Restaurant, so dass erst stand es auf dem Tisch, so ein Schälchen, später nur noch an der Kasse zum Bezahlen und heute ist es alles zu teuer, gibt es das nicht mehr.
SPEAKER_03Gut, und etwas weiter westlich und Richtung Europa hat sich das Ganze dann in konzentrierte Form umgewandelt im Raki und im Uso.
SPEAKER_00Aber wenn man überlegt, der Ginger ist ja ursprünglich auch als gesundheitsfördernde Maßnahme benutzt worden. Es ist ja tatsächlich gegen Krankheiten eingesetzt worden. Das ist ja nicht wie heute in Genussmitteln. Ja, bei der Seife.
SPEAKER_04Zum Fördern der Dutch Courage. Weil die Engländer hatten das ja auf ein Schiff mitgekriegt und es war damals ja auch nötig, dass man so Zitrone und Peniz, also Tonic. Und das Ganze ist ja Gesundheitsfördern, so ein Tintonic. Dachte man damals noch. Weil es halt besser wäre als Kobra.
SPEAKER_00Kommunale Infekte und sowas wurde es ja auch einfach überall gereicht. In Krankenhäusern, in jedem Haushalt gab es das wohl früher dann, ne?
SPEAKER_01Also ich habe sowieso den Verdacht, dass diese ganzen Kräuter früher, um die Wirkstoffe da rauszuextrahieren, in irgendeiner Form mit Alkohol destilliert wurden. Und es war irgendwann mal eine Medizin, bis die Leute dann gesagt haben, okay, Medizin ist schon noch gut, aber schmecken tut das und Spaß macht das auch. Ich glaube, ich bin schlimm krank, ich brauche ein bisschen mehr. Und da ist es dann hergekommen und heute heißt das Zeug halt nicht mehr Heilmittel, sondern Linie oder keine Ahnung, was auch immer, obwohl das ist.
SPEAKER_00Das mag gut sein. Es sind ja viele Sachen dann, wie früher in der Apotheke Cola. Gab es auch in der Apotheke, Schokolade, Apothekenware.
SPEAKER_01Ja, genau.
SPEAKER_03Wenn ich überlege, dass sämtliche Kräuter und Gewürzweine ihren Ursprung in der Medizin hatten.
SPEAKER_00Genau, deswegen so der Zusatzname Offizinalis.
SPEAKER_04Und heute ist es ein bisschen umgedreht, weil es gibt wahnsinnig viele Fashion-Getränke, auch beim Gin oder so, wo dann halt so draufsteht Dr. Müllers super Destillat oder irgend sowas. Das hat fast jede Region irgendwelche lokalen Spezialitäten. Das sind ganz oft so Markenbitter oder irgendwelche Sachen aus Kräutern. Und das sind wahnsinnig viele, die sich auf irgendeine Apotheke oder irgendeinen Arzt berufen.
SPEAKER_01Ja, ich finde es immer sehr spannend, wenn man auch im, ich sag mal, Freundesbekannten- oder Kollegenkreis spricht über das Destillieren. Und dann gibt es immer ganz große Augen, boah! Das Destillieren, aber es ist ja, das ist ja überhaupt kein Zauberwerk, es ist so eine einfache und schöne Sache. Also, ich glaube, Kai hat es mal irgendwann erzählt. Ich schließe die Distille an und lasse es einfach laufen und erzeugt mir ein Produkt, entweder was ich als Heilmittel nehme, wie wir es in der letzten Folge beim Thymian hatten, oder um Sachen zu aromatisieren. Also gerade dieses Kräuterwasser, was ich auch schon öfter mal erzählt habe, was meine Frau und ich immer gerne machen, ist es so spannend, was man selber machen kann für wenig Aufwand und wenig Geld. Ich meine, vielleicht feiert es nicht jeder, dass ich heute mein kleines, alkoholfreies Jefer aromatisiert habe. Aber es ist inzwischen auf und ich muss sagen, das ist einfach. Ja, man muss einfach auch mal offen sein, was auszuprobieren. Und selbst wenn es ein Fail gewesen wäre, dann wäre es halt ein Fail gewesen. Daraus lernt man, aber es war gut.
SPEAKER_04Wenn du dein alkoholfreies Bier jetzt destillierst, gibt es dann einen Bierschnaps. Also ohne Alkohol dann einen alkoholfreien Bierschnaps.
SPEAKER_01Das gibt dann ein aromatisiertes, alkoholfreies Bierhydrolat. Schnaps kann es ja nicht mehr werden.
SPEAKER_00Mit Wacholder auch.
SPEAKER_01Mit Wacholder und Koriander war ja noch drin. Also Koriander, ich weiß nicht, da hatten wir, glaube ich, auch schon mal eine Folge, wäre auch nochmal ein Thema, auch ein, das Hydrolat und das Öl da draus.
Ungewohnte Wege
SPEAKER_01Also das ist wirklich, naja, ich bin wirklich begeistert. Und mein Frau.
SPEAKER_03Das sage ich immer wieder. Versucht einfach auch einmal ungewohnte Wege zu gehen. Ich habe dieses Jahr im Frühjahr zum Beispiel einen Honigwein angesetzt und den Waldmet getauft, weil er mit Tannennadeln und Wacholderbeeren aromatisiert wurde. Einfach um zu versuchen, ob es funktioniert, kleiner Hinweis am Rande, es war etwas überdosiert und er wird noch ein Jahr Lagertauer brauchen, damit er halbwegs trinkbar sein wird, wenn überhaupt. Aber im Großen und Ganzen könnte bei solchen Experimenten auch sehr interessante Dinge dabei herumkommen, auf die man gar nicht gekommen wäre, wenn man es nie versucht hätte.
SPEAKER_00Das stimmt. Ich habe mal eine Kursteilnehmerin gehabt, die sammelt ab Februar bis halt zur Weihnachtszeit Kräuter, Blüten, Blätter, Rinden und alles Mögliche zusammen und gibt da immer Zucker drauf, sodass sie eigentlich so einen Zuckersirup dann da raus gemacht hat. Und der wird dann später mit, je nachdem Wasser oder Alkohol verdünnt. Und als sie damit ankam, habe ich gedacht, das kann ja heiter werden. Und das war total lecker. Das war, das hat wirklich eine ganz tolle, fruchtige Note mit dabei gehabt. Das hat im Hintergrund so was Holziges von diesen ganzen Rinden und Wurzeln gehabt. Also war ein ganz tolles Aroma, was dieser Sirup dann hatte.
SPEAKER_03Das klingt äußerst spannend, aber ich glaube, dass
Nur nichts giftiges mit rein tun
SPEAKER_03man da dann schon in so großen Kombinationen wahrscheinlich wissen muss, was man tut und welche Kombinationen man zusammentun kann.
SPEAKER_00Also sie meinte, sie kam, ich weiß gar nicht, Russland? Ich glaube, sie kam aus Russland. Sie hat gesagt, es ist völlig egal, du darfst nur nichts Giftiges damit reintun. Also von daher ist es für die. So ein Jahressammelwerk, sodass du aus jeder Jahreszeit, aus jeder Situation etwas hast, was du dann so in den Wintermonaten zu dir nimmst, um dann im Grunde den Körper mit den ganzen Sommer, Herbst-, Frühlingsenergien zu unterstützen. So mache ich das mit manchen Salzsachen dann auch, sodass wir ein Jahressalz haben, so von Februar bis Ende Oktober, was gesammelt wird, das dann angesetzt wird in den verschiedenen Sachen. Aber ich wollte noch was zum Wacholder sagen. Wir sind ja in Deutschland und Deutschland ist ja reglementiert, die Wacholder-Bäere braucht ja schon mal drei Jahre, bis sie erstmal schwarz wird. Und sie steht unter Naturschutz. Wir dürfen vielleicht mal eine Hand sammeln, aber wenn jetzt jemand sagt, so da gehe ich jetzt erstmal los und hole mir die nächsten ein, zwei, sieben Kilo, ist auch nicht hier erlaubt.
SPEAKER_04Wusste ich gar nicht beim Wacholder. Weil ich sehe den, also ich habe in Deutschland wächst er bei uns im Ort so an der Hecke. Das ist einfach wie eine Heckenpflanze da gepflanzt worden irgendwann mal. Da ist er mir aufgefallen, aber ich gehe auch nicht meinem Nachbarn seine Hecke plündern. Aber ansonsten, wenn ich den irgendwo geerntet habe oder so, das war halt hauptsächlich in Spanien und in Skandinavien oben, dann wächst der da in so einer Menge, dass ich mir da auch keine Gedanken mache. Wusste ich aber auch nicht, habe ich gar nicht mit gerechnet, weil der doch so oft ist.
SPEAKER_00Was wir hier alles unter Naturschutz haben, was man alles nicht darf, ist schon heftig dann so. Aber früh hat man ja auch den Bacholder gepflanzt, so als in Tüdelchen Dämonenwächter, sodass er halt alles Böse mit aufgesogen hat und dass man den auch auf Friedhöfe genommen hat, so als Wächter, als Unterstützer, dass man sich vor dem fast verneigt hat oder auch teilweise wirklich verneigt hat, so hier nimm mal das Böse von mir und alles ist wieder gut. So ähnlich wie bei Frau Holle. Ein Holunder.
SPEAKER_03Ich habe hier in meiner Wohngegend einen mehr oder weniger Wacholder Wald fast schon. Also ziemlich viele große Wacholderbäume. Allerdings habe ich da noch nie schwarze Beeren daran gesehen.
SPEAKER_00Das ist ein echter Wacholder.
SPEAKER_03Vielleicht ist ja auch was schneller. Das kann natürlich auch sein. Wir haben auch sehr viele Vögel in der Gegend.
SPEAKER_00Aber wer will denn den Geschmack haben? Weil die Beere an sich ist, ja gut, die hat Gerbstoffe, ist bitter, ähnlich wie die Vogelbeere dann.
SPEAKER_04Ist ja wie Anja sagt, dass der Wacholder halt zwei Jahre oder drei Jahre braucht, bis der eine schwarze Beere ist. Und da kann ja schon sein, dass irgendwas mal vorher dran war. In Spanien habe ich immer das Gefühl, dass der hängen bleibt, dass der dann teilweise schon fünf, sechs, sieben Jahre lang da hängt und total vertrocknet ist. Ich weiß aber nicht, ob
Frühlingswiese
SPEAKER_04das realistisch ist oder ob der dann runterfallen würde, irgendwann von selber.
SPEAKER_00Das weiß ich auch nicht. Die Dinger sind ja auch so pieksig, ne?
SPEAKER_04Was ich auch noch sagen wollte ist, beim Destillieren hatten wir ja gerade die Kreativität, weil wir destillieren ja eigentlich fast immer eine Pflanze einzeln und gucken dann, was da rauskommt. Und es gibt aber schon noch Leute, die dann einfach mal so auch so eine Frühlingswiese halt einfach mal komplett destillieren. Ja, das ist aber super, finde ich, weil das nämlich, ich mag das ja, wenn man so Erinnerungen destilliert, wenn man es gar nicht darauf anlegt, da irgendwas ein Heilmittel oder so rauszubekommen, sondern einfach der Moment, wie man das geerntet und verarbeitet hat, den zu was Besonderem macht und sich dann halt ein Jahr später daran erinnert, wenn man das nochmal riechen kann, weil es halt doch interessant riecht.
SPEAKER_00Ja, das finde ich so auch in den Urlauben, wenn man da irgendwelche Pflanzen hat, wo man einfach zusammenballert oder zur Weihnachtszeit so, wir haben viele Gewürze, wir haben Früchte so und das so zu destillieren, so das ätherische Öl ört ist das ein, aber das Hydrolat, was man so vielseitig einsetzen kann, das finde ich dann einfach fantastisch, so drüber zu sprühen oder in Tee mit reinzumachen oder in Kakao oder was auch immer, das auch Zucker zu aromatisieren, wieder Geschenke zu basteln und in Pralinen mit reinzusotzen zu nehmen. Also da gibt es ja auch so unwahrscheinlich viele Möglichkeiten.
SPEAKER_03Den Gedankengang mit der gemeinsamen Destillation hatte ich bei meiner letzten Wachholder-Destillation auch. Da habe ich vorbereitet für eine Gewürzmischung, also ätherische Öle, die ich zum Aromatisieren von einer Salzlake dann letztendlich benutzt habe. Und da hatte ich mir kurz überlegt, alle vier benötigten Gewürze gemeinsam zu destillieren. Bin aber dann davon abgekommen, weil ich einfach die Menge an ätherischem Öl pro Pflanze noch sehen wollte. Beim nächsten Mal würde es dann aber wahrscheinlich wirklich darauf hinauslaufen, dass ich mir zuerst die Gewürzmischung zusammenstelle und alles gemeinsam in die Kolonne packe.
SPEAKER_00Da wirst du echt ein tolles Ergebnis haben.
SPEAKER_04Also die Schwierigkeit, im Gewerblichen ist es schwieriger, ja, das dann zu reproduzieren, wenn man das nochmal ganz genauso nachmachen will. Deswegen werden so bei Gin zum Beispiel die Aromen relativ oft einzeln destilliert und dann von einem Destillateur so perfekt zusammengemischt, weil dann hat man halt genaue Mengen, die man immer wieder verwenden kann. Und wenn man immer Kräuter nimmt und die dann zwei Jahre später vielleicht mal eine Anti-Charger haben und anders schmecken oder so, dann kann es sein, dass man sich damit seinen eigentlichen Geschmack, den man wieder haben will, irgendwie versaut fasst. Deswegen ist es eigentlich der Gin sowieso das Einzige, wo man viele verschiedene Kräuter gleichzeitig destillieren kann. Das ist ja auch der London Dwight Gin, der halt eben so gemacht werden muss eigentlich. Aber es ist halt schwieriger, als wenn man mit fertigen Aromen mischt und verkostet und probiert.
SPEAKER_01Also da habe ich mich sowieso beim Privaten selber destillieren. Ich mache ja gerne an Weihnachten so ein Hydrolat auch aus unterschiedlichen Zutaten mit Zimt und Sterner-Nies und Kardamom, je nachdem, was ich, wo ich gerade, was ich mal gerade so einkaufen kann. Und da mache ich mir dann das Hydrolat dann sozusagen in den Weihnachtscafé. Aber für mich ist ganz klar, das ist immer ein Jetzt-Produkt. Und ich habe gar nicht die, gar nicht die Ambition, in irgendeiner Form irgendwas wieder zu reproduzieren. Und das finde ich auch
Reproduzierbar?
SPEAKER_01bei unseren ganzen industriellen Sachen, es muss immer gleich sein. Das heißt, das ist ja gar kein Handwerk mehr. Es wird alles auf eine Linie gebracht. Aber warum kann denn nicht ein Bier dieses Jahr so schmecken und nächstes Jahr anders?
SPEAKER_04Das war ja früher so. Gibt es ja auch noch bei ganz kleinen Brauereien. Aber stell dir mal vor, du destinierst einen Gin und das ist das beste Aroma, was du dir vorstellen kannst. Das ist so einmalig, wahnsinnig toll, dass du irrebegeistert bist und du kannst es nicht ein zweites Mal machen, weil du dir nicht gemerkt hast, was drin ist oder weil du halt diese Mischung nicht notiert hast oder weil du es dann einfach nicht mehr hinkriegst, weil du nicht mehr die gleichen Pflanzen hast. Das wäre doch auch blöd.
SPEAKER_03Das wird aber zum Teil auch so gemacht. Wir haben hier zum Beispiel einen Kreativbrauer, der jedes Jahr eine limitierte Auslage eines Waldbiers herausbringt. Der sammelt in bestimmten Waldgebieten für dort typische Pflanzen und verwendet die im Brauprozess. Da gibt es dann eine bestimmte Anzahl an Flaschen, die über das Jahr verkauft werden. Und wenn die aus sind, sind sie aus. Das wird nie wieder hergestellt. Das schmeckt jedes Jahr unterschiedlich, weil eben unterschiedliche Zutaten drin sind. Also auch das ist ein valides Geschäftsmodell.
unknownCool.
SPEAKER_00Total perfekt. Aber in der Aromatherapie ist das ja, wenn du ein Rezept machst, musst du immer aufschreiben, was du da reinmachst, weil du reproduzieren willst. Oder wenn irgendwelche Nachfragen sind, sind die eigentlich immer angehalten, Rezepte zu schreiben.
SPEAKER_03Gut, in medizinischen Anwendungen müssen ja sogar Laborbefunde einzelnen Zutaten vorhanden sein.
SPEAKER_00Aber wenn ich jetzt irgendwelche Kurse gebe, dann sage ich auch, mach dir ein Rezept, wenn du es nämlich gut findest, dann kannst du es nachmachen. Wenn du es schlecht findest, wirst du es nicht wiederholen. Du kannst es modulieren. Dann machen wir dann auch irgendwelche Experimente.
SPEAKER_01Ja. Schöne Idee.
SPEAKER_00Ja, doch. Aber Wacholder, wenn wir das als Hydrolate, so wie Christian schon sagt, irgendwie überall auf die Speisen drauf gehen, da hast du ja auch nur eine kleine Note und dann ist es einfach auch ein schönes Aroma dabei. Muss man ja nicht gleich auf so eine Ackerbeere rumkauen.
SPEAKER_01Also mit dem Hydrolat, egal ob Wacholder oder was auch immer, zu kochen, da muss ich aber auch nochmal ganz klar sagen, da muss man wirklich, also ich musste mich da wirklich dran gewöhnen, weil es extrem schwierig ist und schluck zu viel und das war mir, also da muss ich ein bisschen dem Christian
Aromen aufsprühen
SPEAKER_01widersprechen. Ich finde es einfacher, da ein, zwei Beeren reinzuhauen, als wenn ich es mit dem Hydrolat mache, weil da habe ich mir, na gut, das war beim Rosmarin, aber da habe ich mir schon mal wirklich dann das versaut.
SPEAKER_04Deswegen würde ich das so machen. Also bei Ulrike habe ich das gesehen, das ist vom Destillus in Rudolfstadt, die destiniert einfach jede Menge Lebensmittelsachen und sprüht es dann danach aufs Essen drauf und da habe ich das mitgelernt und es ist nämlich toll, wenn man dann zum Beispiel in so ein Sauerkraut den Wachholder reinsprüht. Da kann man nämlich so mit einmal so ein Hydrolat ein bisschen drauf sprühen, schon einfach verändern. Und es ist halt noch sanft, weil man das halt besser dosieren kann, als wenn man vorher schon eine Viertelflasche oder so da rein macht.
SPEAKER_01Stimmt, von der hast du mir mal die Idee gegeben, Dill zu destillieren und dann den Dill in so eine Sprühflasche zu machen und damit das über Gurkensalat. Gibt es eine schöne Geschichte meiner ältesten Tochter, die ein bisschen unruhig war. Und ich habe natürlich in diesen Sprühfläschchen
Dill ins Gesicht
SPEAKER_01auch Lavendel. Und er wollte sie sich schön ein bisschen Lavendel ins Gesicht packen und nimmt die Sprühflasche und schließt die Augen und sprüht sich das ins Gesicht, warum auch immer. Aber es war nicht das Lavendel-Sprühflächchen. Ja, das war sehr lustig. Ich habe mich sehr amüsiert.
SPEAKER_03Gut, da habe ich auch zur Dille eine interessante Geschichte, die habe ich einmal geerntet. Nicht destilliert, sondern nur kleingeschnitten. Und bei mir im Tiefkühler steht jetzt ein Schälchen mit kleingeschnittener Dille und darauf gezeichnet einen riesen toten Kopf, weil meine Partnerin Dille nicht ausstehen kann und das eventuell mit Petersilie verwechseln könnte, weil das Schälchen vom tiefgekühlter Petersilie stammte.
SPEAKER_00Darf ich hätte auch die Lösung, nur das Dillhydroat irgendwo drauf zu.
SPEAKER_03Genau, ja.
SPEAKER_00Aber das ist schon hart sowas. Aber auch wenn Allergien sind und sowas, ist das natürlich eine feine Lösung. Der eine kann es sich drauf sprühen, der andere nicht. Und ich, wie gesagt, mache das auch in fette Öle und dann können einfach diese fetten Öle dann in das Essen reinsprühen. Wenn du jetzt irgendwie Reis, wenn da ein bisschen dicker, fester, klumpiger wird, dann kannst du zwei, drei Sprüher drauf machen und hast ein aromatisiertes Öl und machst hier den Reis da wieder ein bisschen fluffiger und hat dann auch nochmal eine schöne Note. Ich finde, wenn der so gequollen ist, dann ist ja auch das Aroma weg, was man so vorher eingearbeitet hat.
SPEAKER_03Gut, ich glaube, wir bewegen uns jetzt schon sehr weit weg vom eigentlichen Thema der heutigen Folge. Und nachdem wir auch schon fast 40 Minuten wieder on air sind, würde ich sagen, wir beenden für heute. Wenn ihr noch Fragen oder Ideen habt, schreibt uns gerne an 4.destillatiere.de. Wir bemühen uns, alle Unklarheiten zu beseitigen und werden eventuell aufkommende Fragen in den nächsten Folgen dann natürlich aufgreifen und versuchen zu beantworten. Ansonsten bleiben wir bei einem Ausblick. In 14 Tagen wird die nächste Folge erscheinen. Wir haben noch kein Thema festgelegt und werden das relativ spontan vor der Aufnahme noch durchdiskutieren. Wahrscheinlich wird es wieder eine jahreszeitspezifische Pflanze werden und vielleicht die ein oder andere hilfreiche Sache für die Verwendung eben dieser. Ich hoffe, ihr hattet Spaß an unserer heutigen Wacholder-Folge. Seid vielleicht auch motiviert, einmal auf nicht ganz so ausgetretenen Wegen herumzulaufen und auch ausgefallenere Dinge zu destillieren. Ich weiß, der Wacholder war jetzt kein gutes Beispiel, das ist ein klassischer Vertreter für Destillationen, aber eventuell haben wir euch mit unseren Nebengeschichten auch auf ein paar Ideen gebracht. Für heute bleibt, dass wir uns bedanken, dass ihr auch diesmal wieder eingeschaltet habt und wir wünschen eine angenehme Woche und viel Spaß bei euren Destillationen. Tschüss und bis zum nächsten Mal.
SPEAKER_00Ja, viel Spaß. Macht's gut.