4 Destillatiere - der Destillations-Podcast

4D 065: Mädesüß | Alkoholfreie Getränke

Anja, Marc, Christian & Kai Season 4 Episode 65

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Die 4 Destillatiere | Episode 65
Antikes Heilwissen und moderne Interpretation von bewährten Rezepten - darum dreht sich diese Folge.

Wir besprechen das Mädesüßkraut und dessen Verwendung sowie Rezepte für alkoholfreie Cocktails und Longdrinks aus ätherischen Ölen, Hydrolaten und mehr.

Lasst euch überraschen

  • Was haben wir im Glas?
  • Das Mädesüßkraut - kraftvoll und wirksam
  • Wacholder. Pfeffer. Bergamotte.
  • Ätherische Öle in Honig lösen
  • Alkoholfreie Cocktails aus ätherischen Ölen
  • Alkohol ersetzen?
  • Wasserkefir
  • Martini Backflash

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SPEAKER_02

Willkommen zu unserem Podcast mit Anja Mark, Christian und Kai. Die Viertestilatiere. Viel Spaß dabei.

SPEAKER_03

Hallo und herzlich willkommen bei den Viertestilatieren, unserem Podcast zum Destillieren. Heute in der 65. Folge mit dem Thema Mädesüß und alkoholfreie Cocktails, weil das ja in der letzten Folge so gut ankam und auch eurerseits reges Interesse herrscht. Mit dabei auch diesmal wieder Anja, Marc und Kai. Hallo zusammen. Ja, hallo. Ja, hallo. Hallo. Wir beginnen auch heute wieder mit unserem Blick ins Glas und ich würde mal sagen, diesmal eröffnet Kai die Runde. Was hast du vorbereitet?

Was haben wir im Glas?

SPEAKER_02

Also ich habe heute was ziemlich Spezielles gesehen, wo ich schon mal von gehört habe, dass es toll schmecken soll. Und ich kann mir es eigentlich nicht vorstellen, aber ich mache es jetzt auf. Es ist ein Espresso Martini, aber fertig aus der Dose, nicht selbst gemacht.

SPEAKER_03

Was bitte ist ein Espresso Martini? Ja, das wollte ich auch wissen.

SPEAKER_02

Das muss irgendein neuer Fashion-Drink sein, wo halt dann tatsächlich Espresso und Martini gemischt wird und eiskalt dann getrunken wird. Und ich probiere es jetzt mal.

SPEAKER_03

Ich meine, mit Rum und mit Whisky kenne ich Kaffee, aber mit Martini?

SPEAKER_02

Ja, es ist Modelgetränk. Ja, genau. Aber wie so oft schmeckt es halt einfach vor allem mal süß. Und dann hat es schon sowas Karamelliges und schmeckt eigentlich tatsächlich lecker irgendwo so im Hintergrund.

SPEAKER_03

Ich weiß nicht, was süß ist.

SPEAKER_02

Ja, wahrscheinlich. Also schmeckt schon auch der Kaffee durch. Aber es ist jetzt nichts, was ich jeden Tag trinken müsste. Aber interessant.

SPEAKER_03

Es gibt mittlerweile nichts mehr, was es nicht gibt. Anja, was hast du heute in deinem Glas?

SPEAKER_00

Also ich bin auch auf der Kaffeevariante. Ich habe einen Eiskaffee gemacht, allerdings habe ich den mit mocker Orangen-Sirup gemacht, mit Milch und mit Wasser aufgegossen, auch auf Eis.

SPEAKER_03

Wordert mich, dass zwei von vier, um diese unmenschliche Zeit zu der wir aufnehmen, immer noch Kaffee trinken.

SPEAKER_00

Jederzeit.

SPEAKER_02

Ich glaube, dass viele Hörer da sind, die jetzt vormittags hören, morgens mit ihrem Kaffee vielleicht. Und dann solidarisieren wir ein bisschen mit dem Zähne.

SPEAKER_03

Das kann gut sein, ja. Ich habe heute zum Thema passend einen Honigwein mit Medesüß, Hopfen und Ingwer. Den habe ich vor einigen Jahren selbst angesetzt. Das ist die letzte Flasche Restbestand und ich dachte mir, passt ganz gut, die heute zu öffnen und zumindest einen kleinen Schluck davon zu nehmen. Allzu viel werde ich davon nicht trinken, denn wir haben immer noch brütende Hitze und das verträgt sich mit übermäßigem Alkoholgenuss auf keinen Fall. Deswegen ein kleiner Schluck und dabei wird es dann belassen. Marc, was hast du heute in deinem Glas?

SPEAKER_01

Ja, mein Plan war gut, aber ich wollte ja mir heute einen schönen Wacholder-Drink machen und habe da ein schönes Wacholderöl in diesen schönen Blauglasfläschchen. Der Nachteil bei den Blauglasfläschchen ist, dass man auf den ersten Blick nicht sieht, wenn sie leer sind. Oh. Also hatte ich ein tolles Fläschchen mit einem tollen Geruch, aber wenn nichts mehr drin ist, kommt nichts mehr raus und deswegen konnte ich keinen Wacholder machen.

SPEAKER_02

Da musst du nach Gefühl vorher wieder neu destillieren.

SPEAKER_01

Genau, ich habe schon zu meiner Frau gesagt, die Destille wird wieder angeschmissen. Wacholder, das müssen wir unbedingt haben, weil das finde ich richtig gut und das bringt ja auch richtig viel Öl, wenn man es destilliert. Aber ich hatte ja auch in der letzten Folge gesagt, dass ich schwarzen Pfeffer mal destilliert habe. Und ich habe jetzt gerade mir einen großen Krug mit Sprudelwasser und da habe ich einen Tropfen Korianderöl reingepackt. Und ein Tropfen von diesem schwarzen Pfefferöl. Und das ist eine richtig, richtig schöne Mischung. Das ist würzig, dann dieses zitronige Koriander, also richtig lecker. Ich habe den Krug unten gelassen, weil ja, meine Frau mochte es auch. Ich habe ein deutsches Glas hier oben.

SPEAKER_02

Total spannend, das muss ich auch mal ausprobieren.

SPEAKER_01

Das hört sich lecker an. Also schwarzer Pfeffer, das Öl ist, also es hat ein total intensives und schönes Aroma. Ich bin immer ein bisschen zu nachlässig in der Verarbeitung. Ich destilliere dann, dann habe ich ganz viel Öl. Aber damit mal zu arbeiten, da bin ich immer ein bisschen, ja, ich freue mich dann an den Ölen, aber ich nutze die viel zu wenig.

SPEAKER_03

Ich glaube, schwarzen Pfeffer müsste ich von meinem Räucherfischexperiment auch noch übrig haben. Könnte in Kombination mit Fachholder und Rosmarin wahrscheinlich sogar was Interessantes ergeben.

SPEAKER_02

Also jetzt sind wir aber schon gleich hier, das ist jetzt gleich schon der alkoholfreie Cocktail. Da bist du ja schon fast beim Gin, wenn wir jetzt alles zusammenmischen, was wir heute schon genannt haben an Kräutern, dann ist das eigentlich ein alkoholfreier Gin.

SPEAKER_01

Genau, Rosmarin hatte ich auch noch da, das habe ich aber weggelassen aufgrund der belebenden Wirkung und die Aufnahme ist ja abends. Deswegen habe ich den Rosmarin nicht mit reingepackt, aber den mag ich auch gerne im Getränk.

SPEAKER_03

Bevor wir jetzt zu den alkoholfreien Cocktails und diversen Rezepten kommen, möchte ich aber noch kurz auf die Pflanze der Woche bzw. der 14 Tage, wie

Mädesüß: Königin der Wiesen

SPEAKER_03

wir es ja jetzt halten, eingehen. Wir haben uns diesmal für den Medesüß entschieden oder das Mädesüß-Kraut. Eine Pflanze, die schon im Mittelalter äußerst intensiv genutzt wurde und für die Aromatisierung und auch leichte Süßung, daher auch zum Teil der Name, von diversen Getränken hergehalten hat. Anja, möchtest du da kurz einmal einen kleinen Einblick geben in die Welt des Medesüß?

SPEAKER_00

Ja, gerne. Das Medesüß, also, die auch Spierstaude genannt oder die Wiesenkönigin, da sie ja mit ihren hübschen, weißen Blüten so ein bisschen am Wegesrand oder an Flussrändern steht und ein bisschen über den anderen Pflanzen, ist auch, was du sagst, eine alte Heilpflanze, die früher eigentlich ganz viel benutzt wurde bei Erkältung und auch zur Pflasterherstellung da bei rheumatischen Schmerzen, also wirklich ein ganz stark schmerzstillendes Mittel. Und dann hat man ja irgendwann diese chemische Struktur auseinandergenommen und hat gesagt, ah, da ist so eine Salicylsäure drin. Und letztes Jahr haben die alle davon gesprochen, dass es ja nur das Mädelsüß ist, das das hat. Aber die Weide zum Beispiel hat es auch. Das sind also beide die, die die Salicylate in sich haben. Und dann hat man ja irgendwann gesagt, warum soll man immer alles von Pflanzen nehmen, billiger ist es, wenn wir es synthetisch herstellen. Und dann hat man eben dieses Spirea genommen und daraus dann aus der Salicylsäure die Nacharbeitung und die synthetische, das synthetische Endprodukt kennen wir alle, die Acetylsalicylsäure, das ASS, das Aspirin, was man ja immer wieder nimmt gegen Schmerzen, was ja die Ursprungseigenschaft war, gegen Fieber, also dieses erfrischende, Fiebersenkende, das dann da mit bei war. Das ist, genau, das Aspirin, was auch blutverdünnt ist, dann für viele Eigenschaften. Aber wenn man jetzt Mädesüß im Übermaß nehmen würde, wo man sagt, oh, das ist so toll, das würde sich immer schützen. Es würde niemals eine Blutung hervorrufen, so wie es das Acetylsalicyl macht, weil sie so viele Gegenmechanismen hat und sie hat Gerbstoffe mit da drin und sie hat andere Flavonoide und also andere Wirkstoffe auch in sich, die immer dafür sorgen würden, dass gerade eine Verblutung nicht stattfinden würde. Diese Pflanze ist eben sehr alt und was du sagst, sie wurde eben auch für Weinproduktion genommen, für Liköre wurde sie genommen. Und die oberen Teile der Pflanze, diese Blüten, wenn die so anfangen, so kurz vorm Aufgehen, dann sind da so kleine Knuppel und diese Blüten, das sind richtige Pusche. Und wenn man irgendwo langfährt, wo die stehen, dann hat man das Gefühl, man riecht irgendwas Karameliges, Mandeliges und Vanilliges dann. Und das ist so dieser Duft, den diese Pflanze hat. Dann kann man das auch, man kann die kleinen Knubbeln noch essen und dann hat man auch als erstes Geschmackserlebnis erstmal bitter. Das ist ja bei vielen Heilpflanzen, dass es erstmal bitter ist und man denkt, boah, da habe ich einen Fehler gemacht. Und da sage ich dann immer gerne, weiter kauen, schön schmatzen, schön schlucken, viel Spucke. Dann entfaltet sich das Bittere so richtig. Aber dann kommt dieses Marzipan als bittermandelartiger eben auch nach, sodass man nachvollziehen kann, dass sie wirklich auch in sich einen bitteren oder mandelartigen Geschmack hat. Und das kann man nachempfinden, wenn man daraus zum Beispiel Sirup kocht. Den Sirup, den kann man sehr gut einsetzen gegen Fieber und auch bei Kopfschmerzen oder auch wenn es sehr heiß ist, um einfach sich so ein bisschen zu erfrischen. Deswegen so die Idee, jetzt so ein Wein oder Getränk damit zu haben, ist schon eine ganz feine Sache auch. Das Mädesüß ist schwer zu destillieren oder es ist teuer zu destillieren, deswegen gibt es häufig Koproduktionen. Und da ist es dann, oder es war Wiesenkönigin als Co-Destillat mit Rosmarin oder Lavendel. Und ich habe vorhin geguckt, es ist gar nicht mehr so viel auf den Markt zu kriegen, also da muss man dann schon wirklich genau gucken, weil sie nicht sehr ergiebig ist. Aber das Hydrolat ist eine sehr schöne oder eine schöne Anwendung. So, wenn man einfach das in Getränke wieder reingibt, das ist ähnlich wie Holunderblüten, so dann eben auch beim Tee, beim Schwitzen, um in Gesundheitsstatus zu kommen, um sich zu erfrischen. Man sagt auch, um so ein bisschen Leichtigkeit zu kriegen, da kann man auch wieder dieses Mädelsüßwasser nehmen. Man kann auch Mürte mit reingeben, um sich einfach insgesamt zu klären. Und wenn man einen Neuanfang machen möchte, so ein bisschen Heiterkeit, dann kann man sich dieses Mädesüß-Hydrolat auch einfach über den Körper sprühen. Gerne dann mit Rosenholz in Kombination. Also hier ist es wirklich ganz viel. Wer eine schlechte Haut hat, da könnte man auch wieder mit dem Hydrolat einfach eine Gesichtsreinigung machen. Man kann Masken damit machen. Also man sieht auch hier ist es wieder eine Pflanze, die ganz vielseitig und toll einsetzbar ist. Und sie ist lecker.

SPEAKER_03

Sehr spannend. Also eine Pflanze, deren Heilwirkung schon in früher Vorzeit bekannt war, die jetzt immer noch genutzt wird, die also all die Jahre überdauert hat. Und ich glaube,

Aspirin vs Mädesüß

SPEAKER_03

in der Hausapotheke eher in Vergessenheit geraten ist. Zumindest kommt mir das so vor.

SPEAKER_02

Aber vielleicht. Wir haben es ja theoretisch immer bei uns, wegen dem Aspirin, was ja den Namen noch wenigstens trägt.

SPEAKER_03

Naja, das ist aber sehr synthetisch.

SPEAKER_00

Genau, und es hat eben eigentlich eine Substanz kaum mal so ein Aspirin durch, das ist nur bitter, kaum mal ein bisschen mehlesüßter ist dann Mandel, Karamell, Vanille, du hast da richtig Geschmacksexplosionen. Und die Blüte zerrieben, da ist das auch so ein bisschen, wo man so, also in meiner Klasse, also für 50 Jahre zurückgeht, da ist es so, wenn früher Pflaster gerochen hat und Desinfektionsmittel, so ein bisschen Jod, Desinfektionsmittel. Wenn man diese kleinen Blüten reibt, dann hat man als erstes auch noch diese Duftvariante, die mit dabei ist.

SPEAKER_02

Ich hatte mit Medicüß überhaupt gar nichts zu tun, weil auch der Name mir einfach erstmal nichts gesagt hat und ich damit nichts anfangen konnte früher. Das war einfach keine Pflanze, die ich überhaupt auf dem Schirm hatte. Und dann hatten wir mal an Evelyn Rosenfeld da eine 100-Liter-Destillieranlage mit aufgebaut und bei der in Betrieb gesetzt und sie hatte Medicüß destilliert und verkauft das auch als Vollhydrolat und so mit allem drum und dran. Und das ist schon sehr beeindruckend gewesen, wie das duftet. Und seitdem hat es mich halt ein bisschen mehr interessiert und deswegen ist das auch so zu den Pflanzen gewachsen, die ich mittlerweile auch sehr mag.

SPEAKER_00

Er hat ja auch wirklich einen schönen Duft. Und man kann sie ja auch gut einfach in Lebensmitteln mit reinnutzen. Ob man das eben in Tee macht oder wenn man Dessert macht, eine Dessert-Creme oder einen Joghurt, dass man einen Sahneauszug zum Beispiel macht und das unterrührt, dann hat man wirklich diesen feinen Geschmack mit dabei.

SPEAKER_02

Also ich glaube auch, das ist eine der Pflanzen, die so völlig unterschätzt sind, wo man dann eigentlich oft vorbeiläuft und sich gar keine Gedanken macht und die aber trotzdem wirklich Wunder leisten kann auf irgendeine Art.

SPEAKER_00

Das stimmt.

Was wächst hier, was ist das und was kann das?

SPEAKER_01

Das ist ja sowieso, wenn man durch die Wege geht. Ich bin ja ja überhaupt nicht so stark bewandert wie eine Anja oder wie auch immer, aber wenn man sich mal die Zeit nimmt und dann guckt, okay, was wächst hier, was ist das und was kann das, das fängt ja an mit dem schon der Löwenzahn, der mich immer so fasziniert, den man immer gesehen hat und dachte, guck, da ist der Löwenzahn, was das für eine fantastische Pflanze ist, von der von der Wurzel bis zur Blüte über die Blätter. Also das ist schon ganz spannend. Und ich glaube, wir gehen da immer sehr blind durch die Gegend. Und Mädesüß habe ich heute dann auch schon mal gehört. Ich habe besser geguckt.

SPEAKER_00

Auch wirklich, ihr könnt losgehen, Wasser, Rennler und sowas auf Feldern. Die ist überall im Moment.

SPEAKER_03

Gibt es irgendwelche Pflanzen, die gefährlich wären und mit denen man Mädesüß verwechseln könnte? Ich denke da an diverse Vertreter der, zum Beispiel Bärlauch und Schneeglöckchen, wo es ja doch kritisch sein könnte für den unbedarften Sammler, bei Medesüß keine Gefahr.

SPEAKER_00

Also wenn sie richtig blüht und man diese Puscheln sieht, dann hast du keine Verwechslung mit denen.

SPEAKER_02

Ich habe jetzt eine ganz andere Verwechslung, tut mir leid, das hat jetzt eigentlich gar nichts mit dem Thema zu tun. Aber jetzt, wenn ich momentan bei uns hier durch den Wald laufe, dann riecht das nach Waldmeister, da wächst aber keiner. Was kann das sein?

SPEAKER_00

Steinklee.

SPEAKER_02

Also es wächst, also es riecht wirklich der ganze Wald irgendwie so sonst nach Waldmeister und ich gucke mich oben und kann sagen, das kann nicht sein, ist irgendwie falsche Zeit und ist halt nichts zu sehen.

SPEAKER_00

Steinklee.

SPEAKER_02

Steinklee. Das muss ich mal schauen.

SPEAKER_00

Ungefähr 1,50 hoch, sieht meistens ziemlich wild aus, hat oben so eine kleine Dolde, entweder weiß oder gelbe Blüten und das ist eben Steinklee. Das hat eben diesen Waldmeister ähnlichen Duft oder ist es gerade irgendwo was Heu gemäht, wie sie gemäht worden.

SPEAKER_02

Ja, verrückt.

SPEAKER_00

Weil das sind ja eben die Kumarine, aber sonst ist das wirklich das Steinklee auch.

SPEAKER_02

Also das ist mir jetzt auch, weil ich bin ja wieder unterwegs. Ich dachte auch, ich kann hier schön zum Aspirin dann halt über das Mädelsüß zum Aspirin und dann erzählen, wo ich gerade hinfahre, weil ich bin auf dem Weg zum Apothekermuseum in Bad Münstereifel. Und danach fahren wir weiter nach Belgien und wollen da ein bisschen Bier verkosten und dann fahren wir nach Holland. Und da habe ich so ein bisschen gedacht, kriege ich das Mädelsüß mit rein und das Aspirin und das Apothekermuseum, wo ja auch destilliert wird. Und da kann ich dann vielleicht das nächste Mal drüber berichten, was wir da alles gefunden und gesehen haben.

Mit Anja sammeln und kochen

SPEAKER_02

Aber ich bin schon wieder unterwegs.

SPEAKER_00

Ich könnte ja sagen, dass ich nochmal im September in die Botanik gehe. Da können die Leute auch losgehen mit mir sammeln und Pflanzen kennenlernen und essen. Wir kochen dann.

SPEAKER_03

Wo wäre das? Irgendwo Hamburg-Umgebung oder bis zum Berg?

SPEAKER_00

Bergedorf, also Hamburg-Bergedorf am 12. September. So eine Tagesveranstaltung habe ich gesagt, so nochmal im Herbst, was sind da alles für Pflanzen, was können wir mit denen machen? Weil ja übers Jahr sich die immer so schön verändern und dann kann man sehen, aha, jetzt sehen die im Herbst so aus und wahrscheinlich, ich hoffe, ist der Löwenzahn auch nochmal dabei, so wie im Frühjahr auch, aber der Geschmack ist ja komplett anders.

SPEAKER_03

Gut, die Folge sollte rechtzeitig ausgestrahlt werden, dass noch genug Zeit besteht, sich da näher zu informieren. Wenn ihr da draußen Infos haben wollt, könnt ihr Anja gerne anschreiben unter anja.destillatiere.de. Sie wird euch da sicher dann Detailinfos zukommen lassen, wenn Interesse an dieser Wanderung besteht.

SPEAKER_04

Ja, auf jeden Fall.

SPEAKER_03

Dann wandern wir auch gleich weiter

Alkoholfreie Cocktails

SPEAKER_03

von der Pflanze zu den Getränken. Alkoholfreie Cocktails. Wir hatten in den letzten Folgen ja gerade von Anja schon einige Dinge vorgestellt bekommen, die äußerst interessant geklungen haben. Sprudelwasser mit ätherischen Ölen, anscheinend eine gute Ausgangsbasis für alkoholfreie Cocktails. Ich selber habe das noch nicht probiert, aber es scheint zu funktionieren und sehr kreative Rezepte zu ermöglichen. Möchtet ihr mal kurz erzählen, was ihr da selbst so experimentiert habt und wie man das angehen kann?

SPEAKER_00

Also ich bin großer Freund davon, Sirup herzustellen, also einfach einen Agabendicksaft, einen Reissirup oder einen Honig erstmal zu nehmen, um da die ätherischen Öle dann reinzugeben und mit Zitronensaft, Limetten oder Orangensaft das so ein bisschen zu verflüssigen. Und dann kann ich davon einfach einen Esslöffel auf mein Sprudelwasser nehmen oder man kann ja dann auch, wenn man möchte, so ein Lemongras-Bergamotten-Sirup zum Beispiel machen und dann tatsächlich Gin mit reingeben oder Tequila mit reingeben, wenn man in die alkoholische Variante gehen möchte. Man kann aber auch einfach nur diesen Sirup nehmen und den mit Orangensaft auffüllen und mit Eis nehmen und hat auch schon so ein bisschen die Note, wo man hin möchte. Wenn man jetzt aber sagt, dieses Lemongras-Bergamotte als Sirup reicht mir gar nicht aus und ich möchte diese Gin-Note haben, dann kann man in diesen Sirup schon direkt Bacholder mit reingeben und hat diese Gin-Note. Und dann kann man diesen Sirup auch mit Tonicwater aufgießen.

SPEAKER_03

Hast du da jetzt tatsächlich Bergamotte im gleichen Atemzug mit deinem Lebensmittel genannt?

SPEAKER_00

Ja, Lemongrasöl. Also es gibt Lemongras, ätherisches Öl und Bergamot.

SPEAKER_03

Bergamotte ist bei mir so ein Retswort Villawendel ungefähr. Ich habe das sehr negative Erfahrungen und verbinde Bergamotte mit Toilettensteinen, aber nicht mit.

SPEAKER_00

Wow.

unknown

Nein.

SPEAKER_00

Also ich finde ein gutes ätherisches Bergamottenöl oder auch Bergamottensaft, wenn du eine echte Bergamotte hast, die hat schon was Frisches, was Süßliches, was leicht Witteres, dann. Und wenn du sie überhaupt nicht machst, dann nimmst du halt eine Limette oder eine Gräbot.

SPEAKER_03

Das ist schon eher.

SPEAKER_00

Dann ist sie halt noch ein bisschen frischer. Bergamotte ist ja schon immer, ja, natürlich, Bergamotte und Lavendel haben ähnliche Inhaltsstoffe und von daher ähnelt sich auch der Geschmack in manchen Richtungen, gerade wenn sich das über die Zeit entwickelt. Und da gibt es dann schon Ähnlichkeiten. Das ist auch beim Dufttraining dann so, dass die Bergamotte und der Lavendel irgendwann ähnliche Richtungen haben. Das ist schon ganz spannend.

SPEAKER_02

Ich finde es faszinierend, dass die Bergamotte ja nur in einem winzig kleinen Teil von Europa oder weltweit angebaut werden kann. Dass das überhaupt möglich ist, dass eine Pflanze sich nur in dem Bereich tatsächlich so entwickelt.

SPEAKER_00

Ja, aber irgendwie ist sie da ganz schlau, ne?

SPEAKER_03

Ja. Also ich fasse nochmal zusammen. Du stellst einen Sirup her oder nimmst irgendwelche zuckerhaltigen Dicksäfte, mischt dort ätherische Öle, lösen sich die genauso gut wie in Öl oder in anderen Trigosubstanzen. Woran liegt das? Das würde mich jetzt interessieren, weil ein Sirup ist ja eigentlich nur Zuckerwasser.

SPEAKER_00

Ja, aber Zucker ist auch ein Emulgator, genau wie Salz, wie Sahne, wie alle Fette. Von daher kann man das gut nehmen. Auch ein Zitronensaft oder ein Essig wäre ein guter Emulgator. Oder eben auch gleich Kohlensäure, deswegen auch so mein Tonic von letzter Woche, der ist ja einfach nur mit ätherischen Ölen und Sprudelwasser oder vielmehr Tonic Water aufgegossen worden. Und das ist dann der Emulgator, die Kohlensäure.

Ätherische Öle in Honig lösen?

SPEAKER_02

Nimmst du dann so einen Haushaltszucker oder kochst du den vorher auf und machst den Flüssig?

SPEAKER_00

Ich nehme Honig oder Agabendicksaft. Ich mache die einfache Variante. Ganz.

SPEAKER_03

Das heißt, man kann ätherische Öle auch gut in Honig lösen.

SPEAKER_00

Ja. Also das ist ja auch, dass man in der Aromaküche Honig dann auch damit ansetzt und man macht es auch in der Pflege, dass man ätherische Öle in den Honig geben kann. Aber da ist es dann auch auf irgendwie 100 Gramm, zwei bis vier Tropfen. Das ist wirklich eine geringe Menge. Wobei, wenn man jetzt nach Frankreich überkommt, der Tesserant sagt einfach auch 20 Tropfen Thymianöl auf 300 Gramm Honig und bei Erkältung wird dann alle zwei Stunden so ein Teelöffel genascht. Also der hat ganz andere Dosierungen und Frankreich hat andere Lebensmittelbestimmungen als wir hier in Deutschland und deswegen, nach dem Lebensmittelrecht, dürfen wir ganz, ganz niedrig dosieren und ja, in der Pflege dürfen wir noch niedriger dosieren. Als Heilpraktiker muss ich mich an diese Richtlinien auch halten. Es gibt andere Anbieter, die sagen, mach einfach 20 Tropfen hiervon, 10 Tropfen davon, ohne Rücksicht auf irgendwelche Richtlinien. Und es gibt viele Leute, die das dann auch verfolgen und sagen, ja, finde ich total gut und richtig. Da kann ich dann aber nicht mitgehen. Und die Verbände fangen jetzt auch an, ein bisschen mehr darauf hinzuarbeiten, nicht so viel hochdosiert und pur von ätherischen Ölen zu nutzen.

SPEAKER_01

Also die niedrige Dosierung bei ätherischen Ölen ist ja immer das A und O nach meiner Meinung. Und ich frage mich jetzt nur, warum mischst du es in Honig? Möchtest du eine Süße haben oder verschwendet die Süße, weil das wäre jetzt nichts, was ich, oder was hat es, was hat das für einen Grund, dass du es jetzt in den Honig packst?

SPEAKER_00

Also wenn ich das in den Honig gebe, ist das tatsächlich, dass ich eine süße Note haben will, weil ich diesen Sirup ja auch in Tee oder Kaffee mit einrühren kann.

SPEAKER_01

Okay.

SPEAKER_00

Und da ist es dann, also ich kann nicht einen Becher Kaffee nehmen und sagen, oh, ich mach mal einen Tropfen Zitrone und einen Tropfen Orange rein. Ist dann einfach zu viel. Aber wenn ich einen Honig habe und man nehme mir da so einen Viertel Löffel und da ist vielleicht Cardamom, Orange drin, dann habe ich Einfach schon eine Geschmacksexplosion.

SPEAKER_01

Ja, da hast du natürlich.

SPEAKER_03

Ich denke auch, die Standard-Cocktails sind ja auch geprägt von einer gewissen Süße. Es gibt nur relativ wenige, die ohne irgendwelche zuckerhaltigen Substanzen auskommen. Also würde ich mir schon vorstellen können, dass zumindest diese Grundsüße in alkoholfreien Cocktails durch eine kleine Menge an Honig versetzt mit ätherischen Ölen auf jeden Fall machbar wäre.

SPEAKER_00

Ja, und wir haben da, die Alternative kann man ja mit Zitrone oder irgendwas machen, aber dann ist eben so wie Whisky sauer, dann hast du halt immer wirklich dieses saure, was damit dann dabei ist. Also muss man dann schon gucken, ob ich dann Bananensaft mit irgendwie einer Zitrone und einem ätherischen Öl nochmal aromatisiere, um da einen Cocktail rauszukriegen, der alkoholfrei bleibt.

SPEAKER_01

Ich mache mir ja im Winter immer gerne so ein Weihnachtshydrolat aus unterschiedlichen Zutaten, also meistens Sterananis, Zimt, Kadamom, je nachdem, wo ich gerade Lust zu habe. Und das mische ich dann ja gerne in den Kaffee an einem oder in den Tee an einem gemütlichen Tag, um so einen Weihnachtsgeschmack dann zu kriegen. Aber wenn ich das natürlich jetzt ätherisches Öl mache und das in Honigpacke, und das ist natürlich jetzt wieder eine ganz andere Sache.

SPEAKER_03

Vor allem hast du dann eine viel längere Haltbarkeit.

SPEAKER_01

Ja, genau. Also das ist so. Also bei dem Getränk, was ich jetzt heute Abend habe, möchte ich keine Süße drin haben. Das ist ganz klar, wo ich sagen würde, das würde ich jetzt nicht machen. Aber wenn ich jetzt denke, so im November, Dezember mische ich mir da ein Honig mit ein bisschen Anis oder Koriander, passt ja auch prima. Oder ja, bei der Nelke muss man wahrscheinlich ein bisschen vorsichtig sein. Zumindest mit dem Öl, das weiß ich jetzt nicht. Was würdest du da sagen, Anja? Nelkenöl, kann ich das auch in den Honig packen oder ist das zu stark?

SPEAKER_00

Wenn du ein, zwei Tropfen nimmst auf 150 Gramm, 100-150 Gramm, dann hast du eine leichte Weihnachtsnote, das funktioniert schon.

SPEAKER_01

Okay. Ja, weil Nelkenöl ist ja immer sehr, also wenn du das irgendwie mal an die Finger kriegst oder wie auch immer, das ist ja schon sehr heftig.

SPEAKER_00

Ja. Ich habe ihn mal vertan und hab da, oder ich habe ein Seminar gehabt und hab gesagt, also wenn wir eine Spekulatius-Creme machen, dann macht auf diese Menge bitte nur zwei, vielleicht drei Tropfen Zimt oder Nelke mit rein. So in der Kombination, dass das dann eben am Ende auch gut ist. Und beides, Zimt und auch Nelke sind schon wirklich hochpotent und hochaggressiv im Geschmack. Und ich hatte einen Teilnehmer, der sagte, ach, ich habe das jetzt mit drei Tropfen gemacht, das ist mir ein bisschen mild, ich mache da mal ein bisschen mehr rein. Das schmeckt echt gut. Ich habe gesagt, lass es bleiben, das Fett von der Schokolade wird es noch intensivieren. Nein. Und der war dann sehr viel schlauer als wir alle. Und keiner wollte das mehr haben. Und er sagt, das ist toll und saß dann auch mit seinen Zwiebak und Butterkeks und hat das erst gegessen. Und am nächsten Tag hat er gesagt, Anja, das kann man gar nicht essen. Das ist so scharf, das macht die Zunge so taub. Ich sage, ja, das war so viel. Nee, so viel war das gar nicht. Ich sage, naja, also ich sagte drei, das waren zwölf Tropfen. Das ist schon ein Unterschied. Ja, also ich finde es wirklich krass.

SPEAKER_01

Also ich habe auch jetzt gerade, es sind ja harmlosere Öle, in Anführungsstrichen, also auf ungefähr ein Liter einen Tropfen Korianderöl und einen Tropfen von dem schwarzen Pfeffer. Und das ist richtig intensiver im Geschmack.

SPEAKER_00

Ja, das ist voll ausreichend. Was man auch als tollen Sirup machen kann, ist so Honigvanillesirup. Den kannst du ja ziemlich überall mit einplen. Da kannst du ja dann auch wieder Honig nehmen. Es gibt ja auch Honigessenz, das ist ja irgendwie ein alkoholischer Auszug, den könnte man nehmen. Vanilleessenz, den gibt es entweder als alkoholischen Auszug oder als Glykolyse. Und dann wird es auch mit Wasser verdünnt und dann hast du einen schönen Sirup, der so ein bisschen honigartig, ein bisschen vanillig schmeckt. Und den kannst du dann in Kaffee machen, den kannst du in Tee mit reinmachen, den kannst du in Kakao mit reingeben, da kannst du einfach Sprudelwasser draufnehmen. Also da hast du auch schöne Varianten.

SPEAKER_03

Ja, auf jeden Fall. Okay, ich möchte jetzt noch gerne zu den nicht zuckerhaltigen alkoholfreien Getränken. Und da Kai heute relativ

Alkohol ersetzen?

SPEAKER_03

wenig Redezeit hatte, möchte ich jetzt noch auf den alkoholfreien Gin kommen. Da bist du ja Spezialist dafür. Kannst du da vielleicht noch ein paar Minuten erzählen?

SPEAKER_02

Also ich wollte gerade eigentlich nochmal was anderes sagen, weil die meisten klassischen Cocktails, die beruhen ja so auf so drei Grundsubstanzen, mehr oder weniger. Das ist ja meistens dann was Saures, was Süßes und irgendeine Spirituose, die halt den Grundgeschmack gibt, ob das jetzt Gin ist oder Whisky oder Rum oder so halt. Und das gibt es dann auch in Bitter. Und Bitter wird meistens ja aus dem Wermut gewonnen, also so Sachen wie Campari oder Aperol, was dann so typische Zutaten sind für so einen klassischen Negroni oder was man an Cocktails dann so trinkt. Und das ist halt irre schwer. Diesen dritten Teil, weil diesen Bittergeschmack, den bekommt man ja gut hin, wenn man den Cocktail selber machen will. Und man bekommt die Süße natürlich auch gut hin. Da hat man dann halt bei Cocktails meistens irgendwie so Orangenlikore oder Zitronenliqueure oder irgend sowas, die da halt ein bisschen Geschmack reingeben und hauptsächlich süß sind. Und diese Mischung macht dann ja einen tollen Cocktail, so Daikiri oder was auch immer. Und da dann aber ohne diese Spirituose einen Cocktail draus zu machen, der trotzdem ungefähr so schmeckt, das ist halt wahnsinnig schwierig, wenn halt dieser Whiskey-Anteil fehlt.

SPEAKER_03

Das finde ich auch immer ein Problem, diese Alkoholschärfe, die da drinnen ist, die kann man eigentlich kaum durch irgendetwas ersetzen.

SPEAKER_02

Also was ich interessant finde, dass man eigentlich Sachen wie zum Beispiel diese Holzaromen, die vielleicht in einem Whisky gelagert, also in einem gelagerten Whisky drin sind oder in einem rum, dass man die schon destillieren kann oder rausziehen kann, auch ohne Alkohol. Und wenn man das Ganze dann in irgendein anderes dominantes Getränk reinschüttet, wie zum Beispiel eine Cola, dann schmeckt man das auch. Also da hat man nicht, da vermisst man das nicht so, dass da kein Whisky drin ist, wenn man eigentlich das Whisky-Aroma vorher schon mit Holz imitiert hat. Also da geht es dann, wenn man einen Longtrink hat, wenn man den aufgespritzt hat. Aber in dem Moment, wo man erwartet, dass der Nekrone halt 40% hat, weil der halt aus hauptsächlich Chin besteht und dann halt die drei anderen Bestandteile auch alkoholhaltig sind, dann ist das halt ziemlich schwierig, das zu imitieren. Wir haben das mehrfach versucht mit allen möglichen Sachen. In Holland gab es auch ganz tolle Geschäfte, wo die wahnsinnig tolle Auswahl an Spirituosen hatten, die ohne Alkohol gewesen sind. Ganze Geschäfte, also die gibt es, glaube ich, nicht mehr. Ich glaube, die haben zugemacht mittlerweile. Aber da gab es dann ganz viele Sachen, wo die versucht haben, auch diesen Alkoholgeschmack zu imitieren. Und da haben die zum Beispiel Essig genommen. Oder man hat irgendwelche fermentierten Getränke bekommen, die halt so wie ein Sekt oder irgendwas im Hintergrund geblubbert haben, so ein bisschen. Da gibt es Möglichkeiten, die man eigentlich so privat zu Hause schwierig imitieren kann und die dann halt auch wenig mit Destillieren zu tun haben. Aber diese Grundaromen, die man ja immer wieder hat, also diesen Wachholder-Geschmack von Lim Chin, all die Sachen, die kann man ja selber zu Hause destillieren. Die Frage ist dann nur, wie einem das schmeckt, wenn man es nämlich jetzt nur ins Sprudelwasser reintupft und man erwartet, dass es schmeckt windschingt, weil es tut es halt doch nicht, weil dieser Alkoholanteil fehlt. Und das selber Essig reinzugeben, ist halt einfach, nee, klappt nicht. Habe ich versucht. Schmeckt auch nicht.

SPEAKER_00

Nee, das hat noch eine andere Schärfe dann diese Säure dabei, ne?

SPEAKER_02

Wir haben mal. In diesem holländischen Landen haben wir ein paar Sachen probiert, also die hatten auch alle ordentliche Preise da, wie wenn es jetzt mit Alkohol wäre. Und da waren manche Sachen dabei, die einfach total interessant gewesen sind. So eine ganz krasse Mischung aus einem starken Essig-Geschmack mit ganz viel Orangenaroma oder einem Zitrone-Aroma mit drin. Das ist schon interessant und das ist auch toll, wenn man das dann auf Alswürfel trinkt und schmeckt wahnsinnig gut. Aber man kann es halt doch nicht vergleichen mit dem, was man jetzt hätte, wenn man einen Kampari oder irgendwas da reintun würde.

SPEAKER_00

Wir haben mal mit Vogelbeeren einen Sirup gemacht. Der hat auch eine leichte Süße, aber der wurde dann nachher mit Orangenschalen und Orangensaft irgendwie abgemildert. Und da hast du auch bitter, süß, sauer und da hast du den Alkohol nicht vermisst, wenn du da mit, wir haben ja mit Sprudel aufgegossen. Da hat man das Gefühl, da ist irgendwas, aber es knallt natürlich auch nicht.

SPEAKER_01

Hast du die Vogelbeeren vorher eingefroren oder hast du die Frisch? Das will nicht sein. Ich habe das auch mal gemacht und habe mit Vogelbeeren gearbeitet. Das war auch relativ bitter, muss ich sagen. Aber da sagte mir jemand, man soll es vorher einfrieren, deswegen meine Frage.

SPEAKER_00

Ja, aber eine Beere, die du von deinem Strauch hast und die du einfrierst, die hat keinen eigenen Stoffwechsel mehr, die wird nicht fermentieren.

Wasserkefir & Kombucha

SPEAKER_00

Ist sie am Strauch und hat Frost, wird die anfangen, eine Süße zu entwickeln.

SPEAKER_04

Okay.

SPEAKER_02

Man hat noch tolle Möglichkeiten mit so zum Beispiel Wasserkäf, weil es ist relativ einfach, damit umzugehen. Man muss es halt einfach anfangen und darf dann nie wieder damit aufhören, weil sonst ist er nicht.

SPEAKER_00

Kannst du die Skopa oder sowas? Ist das sowas?

SPEAKER_02

Das ist wieder was anderes. Ist was anderes als der Wasserkäf, aber ähnlich. Der Wasserkäf wird halt mit getrockneten Früchten oder so angesetzt und da kann man schon so ein bisschen die Richtung bestimmen, wo es hingeht. Und man kann den dann natürlich aromatisieren und Sachen dazugeben. Und der zieht es halt auch in so einem Glas dann drin und fermentiert auf seine Art. Und ist halt interessant, damit habe ich auch experimentiert. Ich hatte mal ein Angebot bekommen vom Stocker Verlag, nachdem ich mein Gin-Buch geschrieben hatte, dass ich ein alkoholfreies Cocktailbuch schreiben könnte. Und habe es dann aber nicht gemacht, nachdem ich recherchiert habe, wie unendlich viele andere Möglichkeiten das gibt. Weil ich dachte, ich weiß, wie man Aromen destiniert und das ist wunderbar, da kann man dann alles draus machen. Und dachte, wenn ich da ein Buch drüber schreiben würde, weiß ich ähnlich wie das Gin-Buch, da fehlt irgendwas und wollte halt schauen, was es noch alles für Möglichkeiten gibt, auch weil ich nicht wusste, wie man diese Bittergetränke eigentlich herstellt und macht. Und dann habe ich angefangen, da zu recherchieren und habe gesehen, dass es so eine unendliche Vielfalt gibt. Da habe ich gesagt, da reicht mein Fachwissen nicht aus. Also da weiß ich nicht, was all diese anderen Methoden und Möglichkeiten sind und habe halt mit dem Wasserkäfier experimentiert und mit Tee und alles Mögliche da gemacht. Aber habe gesagt, nee, da kann ich kein Buch drüber schreiben, da weiß ich zu wenig. Und was ich jetzt heute trinke, mein Cocktail hat ja auch 17 Prozent. Da bin ich ja raus.

SPEAKER_00

Nicht mehr mit alkoholfreien, ne?

SPEAKER_02

Ja, da bin ich raus heute.

SPEAKER_03

Also was nehmen wir da als große Erkenntnis mit? Bei alkoholfreien Cocktails mit ätherischen Ölen am einfachsten sind dann also Cocktails, die eine gewisse Süße mitbringen und auf Fruchtsaftbasis oder ähnlichem sind, wo der Alkohol nicht wirklich Geschmackssubstanz ist.

SPEAKER_00

Ja, oder die Säuren eben mit Zitrone.

SPEAKER_03

Ja, die kann man ja relativ leicht mit Zitronensaft dann mit ergänzen, aber zum Beispiel einen Martini mit Olive wird man schwer mit ätherischen Öl hinbekommen. Einen Whisky Sauer wird man vielleicht auch schwer hinbekommen, weil eben nur der Whisky mit Zitronensaft gemischt wird und da die Alkoholschärfe eben sehr viel zum Geschmackserlebnis beiträgt. Allerdings die komplette Palette von fruchtsaftbasierten Cocktails, die dann noch mit irgendwelchen aromatisierten Likören und Spirituosen aufgepeppt werden, würde ich es jetzt mal sagen, lässt sich ganz sicher relativ einfach in einer alkoholfreien Variante mit ätherischen Ölen verpacken. Und wie wir ja heute gehört haben, können wir die Süße auch durch eine Mischung von ein paar Tropfen ätherischen Öl mit Honig erreichen. Wenn das gut funktioniert, ist das eine relativ einfache Möglichkeit, hier einmal kreativ zu werden, sich auszuleben und eigene Rezepte zu kreieren.

SPEAKER_02

Wir sind ja ein Destillationspodcast und das ist halt schon wahnsinnig interessant, auch einfach mal ganz andere Wege zu gehen und Dinge zu destillieren, die man jetzt nicht unbedingt braucht, weil sie gut riechen oder sowas, sondern wenn man jetzt speziell Cocktails machen will, hat Marc ja schon allein mit Sprudelwasser ganz tolle Sachen gemacht. Also das ist ja beeindruckend, was da schon, also das ist ja kein Cocktail, aber wenn man es als Long trinkt, dann erweitert, dann hat man ja unendliche Möglichkeiten, mit Hydroladen, mit hetherischen Ölen die Aromen immer zusammenzubekommen. Und was man dann als Grundlage nimmt, oder da muss man dann halt weiter experimentieren und schauen, wo man es dann reingibt.

SPEAKER_00

Das wollte ich gerade sagen. Die Schärfe, man könnte ja statt einer Scheibe Zitrone eine Scheibe Ingwer reingeben oder so ein ganz bisschen Chili. Da hast du die Schärfe und den Effekt, so ein bisschen wie Alkohol, wo es dir im Rachen brennt.

SPEAKER_01

Aber ich finde immer, warum muss man unbedingt eine Alternative haben? Ich finde immer, man sollte, es gibt ja auch alkoholfreie Rot- und Weißweine. Da gab es mal eine Sorte, die ich ganz gut fand. Aber ich habe zu meiner Frau gesagt, das schmeckt in Ordnung, das kann man trinken. Das ist aber kein Ersatz für Rotwein. Das ist ein anderes Getränk. Ja, und ich finde, man sollte sich mal vom Kopf so ein bisschen freimachen, dass man sagt, ich möchte einen alkoholfreien Cocktail haben. Ne, ich will eine Belohnung haben. Genau, der Cocktail mit Alkohol ist ein Cocktail mit Alkohol. Und das kannst du, man muss nicht versuchen, das zu kopieren, sondern man muss dann sagen, okay, ich möchte etwas ohne Alkohol machen und ich mache mir da ein, und da haben wir mit der Destillation unfassbar viele Möglichkeiten. Ich kann mir ein würziges Getränk machen, ich kann mir ein erfrischendes Getränk machen, ich kann mir ein süßes Getränk machen, wo ich halt Lust habe. Und wenn ich da Crushed Eis drauf mache und das in der Sonne trinke, dann brauche ich da kein Alkohol. Aber manchmal möchte man diesen Alkoholgeschmack

Bier & Martini Flashback

SPEAKER_01

ja haben, also ich zumindest. Ja, und dann muss ich halt, dann trinke ich halt einen alkoholischen Cocktail in Maß.

SPEAKER_02

Habt ihr das Erlebnis schon gehabt, dass ihr normalerweise in irgendeiner Situation Alkohol trinkt, wie zum Beispiel, ihr sitzt im Urlaub und schaut aufs Meer und ihr genießt da mit zwei Bier irgendwie was zu essen, was Besonderes, und dann bestellt ihr alkoholfreies Bier und ihr fühlt euch danach betrunken?

SPEAKER_03

Nein. Nein, habt ihr noch nie.

SPEAKER_02

Hatte ich jetzt schon mehrfach. Es gibt ja auch so ein paar Spirituosen von großen Marken, es sind gar keine Spirituosen. Es gibt den Martini zum Beispiel alkoholfrei. Und wenn man den einfach auf Eis trinkt, der schmeckt so sehr nach Martini, dass der Alkohol überhaupt nicht fehlt. Und wenn man davon so eine halbe Flasche getrunken hat, fühlt man sich irgendwie betrunken. Weil man diesen, also das Gehirn simuliert es dann, glaube ich, weil es den Geschmack halt kennt.

SPEAKER_03

Ich glaube, ich bin noch nicht so sehr an Martini oder Bier gewohnt, dass ich diesen Effekt dann auslösen würde. Dafür trinke ich viel zu wenig.

SPEAKER_02

Ich bin ja schon über 60, da bin ich ja voraus.

SPEAKER_03

Gut, dabei belassen wir es dann auch für heute. Es war schön, wieder ein paar interessante Themen auf dem Tisch zu haben und wieder mal sehr nützliche Infos mitzunehmen. Das mit dem ätherischen Öl in Honig gelöst hatte ich bis jetzt noch nicht gewusst und werde ich definitiv einmal ausprobieren. Das scheint eine Möglichkeit zu sein, relativ einfach aromatisierte Mischungen herzustellen. Und ja, warum sollte man das nicht nutzen? Ich hoffe, ihr hattet auch Spaß an unserer heutigen Folge. Wenn noch Fragen offen geblieben sind, könnt ihr uns gerne entweder einen Kommentar hinterlassen oder uns an 4.destillatiere.de schreiben. Ansonsten bleibt nur noch uns zu bedanken, dass ihr auch diesmal wieder eingeschaltet habt. Wir wünschen eine angenehme Zeit. Bis zur nächsten Folge. In 14 Tagen werden wir uns wieder bei euch melden. Tschüss.

SPEAKER_00

Tschüss, bis dahin.

SPEAKER_03

Tschüss, ich fahre in Urlaub.